Effizientere Nutzung von begrenztem Parkraum durch moderne Einzelplatzüberwachung

2016-05-17 09:07

Situation der Kommunen in der Parkraumbewirtschaftung

Ausreichende Parkflächen für Autofahrer zu Verfügung zu stellen, ist eine wichtige Aufgabe der kommunalen Verwaltung. Innenstädte sollen attraktiv bleiben und aufgewertet werden. Arbeitsplätze des lokalen Einzelhandels und der Gastronomie sollen gesichert werden und nicht den großen Einkaufscentern außerhalb der Stadtgrenze weichen. Gleichzeitig sollen die steigenden Bedürfnisse der Bürger nach individueller Mobilität und strenge Umweltvorgaben erfüllt werden (Stichwort Feinstaub- und CO2-Belastung). Doch die Verkehrsflächen sind nicht beliebig erweiterbar,  der Parkraum in Stadtzentren ist knapp! Der Anteil des Parksuchverkehrs beträgt heute schon bis zu 30% des Verkehrsaufkommens. Urbanisierung und steigende KFZ-Zulassungen stellen Kommunen vor gewaltige Herausforderungen. Der Ausbau des ÖPNV und die Einführung von Umweltzonen werden als Maßnahmen nicht ausreichen, um Staus und die zeitraubende Suche nach freien Parkplätzen zu verhindern.

Ziel: Weniger Autos in den Straßen durch maximale Nutzung von Tiefgaragen und Parkhäusern

Markbeobachter schätzen, dass rund 75% der Parkflächen auf den sogenannten Offstreet-Bereich, also auf den Parkraum außerhalb von  öffentlichen Straßen und Verkehrswegen, entfallen. Will man die Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen reduzieren, muss es somit das Ziel sein, die verfügbaren Stellplätze in Parkhäusern und Tiefgaragen  maximal zu nutzen. Im Idealfall sollten die Verkehrswege erst dann zugeparkt werden, wenn die Parkhäuser und Tiefgaragen nahezu gefüllt sind. Doch die Realität sieht anders aus. Während die Autofahrer auf der Suche nach einem freien Stellplatz in den Straßen ihre Runde ziehen, schlummern in den Parkhäusern und Tiefgaragen unzählige freie Stellplätze. In den USA ist man daher z.T. dazu übergegangen, die Attraktivität der Offstreet-Parkplätze dadurch zu steigern, dass die Preise für das Offstreet Parken immer niedriger sind als die Preise für das Onstreet Parken. Eine alternative Möglichkeit, die Attraktivität von Parkhäusern zu steigern, besteht darin, den angebotenen Komfort für den Autofahrer im Parkhaus zu erhöhen.

Innerstädtische Parkleitschilder sollten die Anzahl der verfügbaren Stellplätze genau anzeigen und den Autofahrer gezielt zu den freien Parkhäusern führen. Unter keinen Umständen dürfen die auf einem städtischen Parkleitschild ausgewiesenen freien Stellplätze von der tatsächlichen Belegung des Parkhauses abweichen. Werden nur wenige freie Stellplätze angezeigt, obwohl das Parkhaus nahezu leer ist, so verliert der Autofahrer das Vertrauen in die Technologie. Der umgekehrte Fall, dass ein Autofahrer zu einem vermeintlichen freien Parkhaus geführt wird, das aber besetzt ist, wird den Autofahrer zu Recht verärgern. Dann lieber gar kein Parkleitsystem als ein irreführendes Parkleitsystem!

Im Parkhaus angekommen, wird der Komfort für den Autofahrer dadurch gesteigert, dass er durch dynamische Pfeil- bzw. Restplatzanzeigen in LED-Technik  gezielt zu den noch freien Stellplätzen geführt wird. Die einzelnen Stellplätze sollten darüber hinaus durch eine eindeutige Signalisierung (grüne LED-Leuchte = frei; rote LED-Leuchte = besetzt) das Auffinden eines freien Stellplatzes erleichtern.

Herkömmliche Zählung der Parkhausbelegung

Öffentliche Parkhäuser werden in der Regel mit Hilfe eines Schrankensystems bewirtschaftet. Über die Anzahl der Schrankenöffnungen bzw. die Impulse der Induktionsschleifen werden die ein- und ausfahrenden Fahrzeuge gezählt. Diese robuste und bewährte Technologie hat in Bezug auf ein modernes Parkleitsystem jedoch gravierende Nachteile. Jede Sensorik ist grundsätzlich fehlerbehaftet. Erfolgt bspw. eine manuelle Öffnung der Schranke, bzw. verlässt ein Auto das Parkhaus durch die Einfahrts- und nicht durch die Ausfahrtsschranke, oder werden 2 dicht hintereinander fahrende Fahrzeuge nur als ein einziges Fahrzeug erfasst, oder fälschlicherweise ein Einkaufswagen von der Induktionsschleife als Fahrzeug identifiziert, kommt es zwangsläufig zu einer Fehlzählung. Selbst wenn diese Fehlzählung mit bspw. 1% vermeintlich gering ist, so hat sie doch erhebliche Auswirkungen auf die korrekte Erfassung der Parkhausbelegung.

Beispiel Zonenzählung:

Ein Parkhaus hat 200 Stellplätze und wird einmal täglich vollständig besetzt. Es finden somit jeden Tag 200 Einfahrten und 200 Ausfahrten, also 400 Zählungen, statt. Bei einem Fehler von 1%  ergibt sich somit eine Fehlzählung von 4 Fahrzeugen pro Tag. Nach 5 Tagen kann der Fehler also schon bei 20 Fahrzeugen, also bei 10% der verfügbaren Stellplatz-Kapazität, liegen!

Noch gravierender wirkt sich der Fehler bei einer Gassen- bzw. Ebenenzählung aus. Verteilen sich in unserem Beispiel die 200 Stellplätze bspw. auf 5 Parkhausebenen mit jeweils 40 Stellplätzen, so wird im gleichen Anwendungsfall (vollständige Besetzung des Parkhauses an einem Tag), die Erdgeschoss  Ebene 200 Einfahrten und 200 Ausfahrten zur Straße zählen. Darüber hinaus werden 160 Auffahrten und 160 Abfahrten aus den höher gelegenen Ebenen erfasst. Insgesamt wird sich die Belegung des Erdgeschosses somit rechnerisch aus 720 Zählungen ergeben. Bei einem Zählfehler von nur 1% ergibt sich für das Erdgeschoss somit schon nach einem Tag ein Fehler von 7,2 Fahrzeugen. Bezogen auf nur 40 verfügbare Stellplätze im Erdgeschoss ergibt sich somit eine Fehlzählung von bis zu 18% nach nur einem Tag.

Abhilfe dieses „kumulativen Zählfehlers“ schaffen Software Algorithmen, die den Belegungsstand regelmäßig zurücksetzen. Dies erfordert jedoch, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt die genaue Belegung des Parkhauses bekannt ist. Im besten Fall steht das Parkhaus nachts leer, so dass der Zählwert jede Nacht auf null zurückgesetzt werden kann. Schwierig wird es allerdings, wenn Teile der Stellflächen an Langzeitparker vermietet sind, und das Parkhaus auch nachts nicht vollständig geleert wird. Gerade öffentliche Parkhäuser werden oftmals 24 Stunden rund um die Uhr genutzt. In diesem Fall bleibt dem Betreiber nichts anderes übrig, als regelmäßig die tatsächliche Belegung des Parkhauses durch händisches Zählen zu erfassen und den entsprechenden Wert in das System einzustellen. Auch die Verwendung von alternativen Technologien der Fahrzeugzählung (Lichtschranke, Ultraschall- oder etwa Magnetfeldsensoren) wird das Problem nicht lösen. Der kumulative Fehler der Zonenzählung ist systemimmanent.

Merkmale einer modernen Einzelplatzüberwachung

Sollen die vorhandenen Stellflächen in einem Parkhaus maximal ausgelastet werden, so sollte ein System immer den richtigen Wert der Belegung anzeigen. Die Attraktivität des Parkhauses wird zudem dadurch gesteigert, dass Autofahrer gezielt zu den letzten freien Stellplätzen geführt werden. Dies kann nur eine moderne Einzelplatzüberwachung leisten. Dabei ist es zunächst einmal unerheblich, welche Art der Sensorik zum Einsatz kommt. Vielmehr ist es entscheidend, dass jeder einzelne Stellplatz überwacht wird.

Beispiel Einzelplatzerfassung

Ein Parkhaus hat 200 Stellplätze und wird einmal täglich vollständig besetzt. Die Sensorik der Einzelplatzerfassung hat einen Messfehler von 1%.  Es ergibt sich ein Fehler von 2 Fahrzeugen bezogen auf das gesamte Parkhaus. Wird ein Fahrzeug nicht richtig detektiert, so „heilt“ sich der Fehler ganz von alleine, indem das Fahrzeug den Stellplatz verlässt. Systembedingt gibt es keine “kumulative Fehler“ wie bei der Zonenzählung. Denn auch nach Jahren wird das Parkhaus eine maximale Fehlzählung von 1% (bzw. 2 Fahrzeugen) aufweisen. Selbst im Fall eines Totalausfalls (z.B. Stromausfall des gesamten Parkhauses, oder im Fall der gezielten Abschaltung für Wartungszwecke), wird nach dem Neustart des Systems jeder Sensor wieder die Belegung des zugeordneten Stellplatzes zählen und die Gesamtbelegung des Parkhaues eindeutig angeben.

Betreiber von Parkleitsystemen

Die Merkmale einer modernen Einzelplatzerfassung werden nicht zuletzt auch anhand der Hauptnutzer deutlich: Flughäfen, Einkaufscenter und Firmenparkhäuser. Deutlich seltener befinden sich die großen privaten Parkhausbetreiber und Kommunen unter den Kunden.

Flughäfen müssen insbesondere zu Stoßzeiten (morgens und abends) tausende von Fahrzeugen ohne Stau und ohne Zeitverlust zu den freien Stellplätzen führen. Einkaufscenter stehen im harten Wettbewerb. Sie wollen ihren Kunden maximalen Komfort und somit eine stressfreie Parkplatzsuche bieten. Viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiteranzahl über die Jahre erheblich erhöht. Nicht nur die Büroeinheiten, sondern auch die verfügbaren Mitarbeiterparkplätze stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Sie müssen die vorhandenen Stellflächen maximal nutzen und entscheiden sich deshalb für eine Einzelstellplatzüberwachung.

Private Parkhausbetreibergesellschaften sind hingegen gemessen an der Anzahl der bewirtschafteten Parkplätze seltene Abnehmer einer Einzelplatzüberwachung. Die naheliegende Vermutung ist, dass Betreiber teure, langfristige Pachtverträge in exklusiven Innenstadtlagen eingegangen sind. Ihre Parkhäuser sind ohnehin vollständig gefüllt, und eine Investition in eine Technologie ohne direkten Cash-Flow für den Pächter wird in Frage gestellt.

Als neues, starkes Kundensegment etablieren sich die kommunalen Betreiber von Parkhäusern. Denn ihr Verständnis von Wirtschaftlichkeit geht über die singuläre Cash Flow Betrachtung des Parkhauses hinaus. Gesamtwirtschaftliche Aspekte der Gemeinde wie die Attraktivität der Innenstadt, die Prosperität des Einzelhandels mit einhergehenden Gewerbesteuereinnahmen oder etwa allgemeine Ziele der Reduzierung von Stau- und Umweltemissionen beeinflussen ihre Investitionsentscheidung.

Darüber hinaus bietet die Einzelplatzüberwachung gegenüber der Zonenzählung weitere qualitative Vorteile. Eine Zeitüberwachung zeigt Fahrzeuge an, die bspw. die max. Parkdauer eines kostenlosen öffentlichen Parkhauses überschreiten. Unerwünschte Langzeitparker können somit eindeutig identifiziert werden. Da für jeden Stellplatz einzeln erfasst wird, wie lange eine Auto abgestellt ist bzw. wie häufig ein Stellplatz belegt wird, können wichtige Rückschlüsse über die Qualität von Parkflächen getroffen werden. Jeder Stellplatz wird eindeutig als frei (grüne LED) oder belegt (rote LED) gekennzeichnet. Besondere Kundengruppen, wie etwa Parkplätze für Frauen, für E-Ladesäulen oder für behinderte Personen können durch eine gesonderte Signalfarbe (z.B. blaue LED) hervorgehoben werden. Da die Belegung dieser besonderen Parkplätze im Gegensatz zur Zonenzählung eindeutig erfasst wird, können diese Nutzergruppen durch entsprechende Abbildung auf den Parkleitschildern gezielt zu ihren freien Stellplätzen geleitet werden. Verfügt die Sensorik über frei konfigurierbare (mehrfarbige) RGB-LEDs, so kann mittels einer Softwarefunktion einem Stellplatz eine andere Farbe und somit eine andere Kundengruppe zugewiesen werden. Alternativ ist es auch möglich, bestimmte Stellplätze für eine Tagesveranstaltung zu reservieren und dies durch eine frei konfigurierbare LED-Farbe des Sensors hervorzuheben. Ebenso können besondere Parkflächen wie etwa Feuerwehreinfahrten oder Notausgänge mittels Sensorik überwacht werden.

Implementierung und Kosten der Einzelplatzerfassungion

Da die Installation einer Einzelplatzüberwachung in jedem Parkhaus unterschiedlich ist, sind pauschale Kostenabschätzungen schwierig. Wesentliche Kostentreiber sind die Installation, die stark von der Beschaffenheit des Parkhauses abhängt (Deckenhöhe, Anzahl der Unterzüge, Breite der Fahrgassen, Kabeltrassen). Auch das Design und die Anzahl der gewünschten Parkleitschilder sind ein wichtiger Kostentreiber. Als Daumenwert können für ein schlüsselfertiges Gesamtsystem (Parkhaus mit < 400 Stellplätzen) zwischen 250 und 300 Euro pro Stellplatz veranschlagt werden. Es empfiehlt sich, zunächst einmal auf Basis von Plänen des Parkhauses ein Verkehrs- und Schilderkonzept erstellen zu lassen, aus dem ein sinnvolles Leistungsverzeichnis abgeleitet werden kann. Zusammen mit Fotos der Tiefgarage können Hersteller in kurzer Zeit ein aussagefähiges Budgetangebot erstellen. Grundsätzlich gilt, dass Installationskosten eingespart werden können, wenn das System im Rahmen eines Neubaus oder im Rahmen der Renovierung einer Tiefgarage umgesetzt werden soll.

Neben diesen einmaligen Investitionskosten fallen keine weiteren wesentlichen Betriebs- oder Wartungskosten an. Da eine Einzelplatzüberwachung im Gegensatz zu Schrankensystemen über keine mechanisch bewegenden Teile verfügt, ist der Betrieb nahezu wartungsfrei. Laufende Kosten für den Stromverbrauch der LED-Schilder und Sensoren fallen kaum ins Gewicht. Demgegenüber stehen deutliche Einsparungen bei der Belüftung (wegen der geringeren CO2-Belastung), Einsparungen in der Beleuchtung (Abdimmen von Parkflächen ohne Aktivität) und Einsparungen durch die geringere Abnutzung der Bodenbeschichtung.

Neben den vielen Für und Wider einer Einzelplatzüberwachung aus Sicht des Betreibers ist der Bürger vor allen Dingen der wirkliche Nutznießer eines einzelplatzbasierten Parkleitsystems. Er wird es danken, wenn sich Lärm- und Umweltverschmutzung durch den Verkehr auf ein Mindestmaß reduzieren. Aus Sicht des Autofahrers hat sich das System dann bewährt, wenn die Suche nach einem freien Stellplatz so einfach wird, dass der Parkvorgang zur Nebensache wird. Im besten Fall erinnert er sich dann nur noch an den eigentlichen Zweck seiner Reise, nachdem er sein Auto mühelos abgestellt hat.

Der Autor:

Dr. Roland Kraus studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin. Er arbeitete zunächst als Unternehmensberater, bevor er bei der Siemens AG die Geschäftsleitung für das weltweite Parkengeschäft übernahm. Heute ist Dr. Kraus Geschäftsführer der Multiguide GmbH, die innovative Lösungen für Parkleitsysteme entwickelt. Weiterführende Informationen finden sie unter www.multiguide.com

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